Lettinis · Amore per Gusto Rezepte
Tiramisù in der Form, dick mit Kakaopulver bestäubt, ein Stück herausgenommen
Foto aus „Amore per Gusto“ · Stefania Lettini
Friaul-Julisch Venetien · Dolce

Tiramisù

Das beliebteste Dessert der Welt, seit 2017 offiziell friaulisch. Mit Zuckersirup auf 121 °C statt roher Eier — dadurch wird die Creme stabil und sicher.

vegetarisch
Friaul-Julisch Venetien
Woher es kommt

Friaul-Julisch Venetien — der äußerste Nordosten, wo Italien auf Österreich und Slowenien trifft — und das schmeckt man. Prosciutto di San Daniele, Frico aus Montasio-Käse und Kartoffeln, Gulasch in Triest. Es ist die italienische Region, in der am meisten Kren gerieben wird.

Das Kochbuch „Amore per Gusto“ von Stefania Lettini Alle Rezepte im Buch Amore per Gusto — Meine italienische Küche Dieses Rezept steht auf Seite 43. Gourmand World Cookbook Award „Best in the World“ · Valentinas Best of Cookbooks Buch ansehen →

Tiramisù — wie im Friaul

8 Personen

Zutaten

  • 400 ml Espresso, auf ca. 18 °C abgekühlt
  • 400 g frische Sahne
  • 100 g Eigelb (ca. 6 Eier, Größe L)
  • Mark von 1 Vanilleschote
  • 60 ml Wasser
  • 190 g Zucker
  • 400 g frische Mascarpone
  • 400 g Pavesini oder Savoiardi
  • 50 g Kakaopulver
  • Thermometer

Die verlinkten Zutaten führen wir im Laden.

Kochutensilien

  • Küchenthermometer
  • Handrührgerät oder Küchenmaschine
  • Kleiner Topf
  • Flache Form

Zeit

Kühlen
3 Stunden

Zubereitung

  1. Den Espresso zubereiten und auf ca. 18 °C abkühlen lassen. Die Sahne steif schlagen.
  2. Die Eigelbe mit dem Vanillemark in eine große Schüssel geben.
  3. Wasser und Zucker auf 121 °C erhitzen. Die Eigelbe schaumig schlagen und den heißen Sirup langsam einlaufen lassen.
  4. Weiterschlagen, bis die Masse abgekühlt und cremig ist. Die Mascarpone von unten nach oben untermischen, dann die Sahne unterheben.
  5. Eine Form dünn mit Creme ausstreichen. Die Pavesini kurz in den kalten Espresso tauchen und darauflegen — so 4–5 Schichten.
  6. Mindestens 3 Stunden kalt stellen, mit Kakaopulver bestäuben und servieren.
Stefania Lettini, Inhaberin von Lettinis
Stefanias Tipp

Kein Alkohol im Caffè — so haben Groß und Klein Spaß am Dessert.

Warenkunde

Woher das Tiramisù kommt

Um die Herkunft streiten zwei Regionen. Treviso in Venetien verweist auf das Restaurant Le Beccherie und die frühen 1970er Jahre. Tolmezzo im Friaul verweist auf das Albergo Roma und Norma Pielli, die dort schon in den 1950er Jahren ein Dessert dieser Art servierte. Seit 2017 führt das italienische Landwirtschaftsministerium das Tiramisù als traditionelles Lebensmittel Friaul-Julisch Venetiens. Der Name heißt wörtlich „zieh mich hoch".

Warum der Sirup auf genau 121 Grad kommt

Rohe Eigelbe sind die klassische Schwachstelle beim Tiramisù — wegen der Salmonellen und weil die Creme mit der Zeit dünn wird. Beides löst die pâte à bombe, eine Technik aus der Patisserie: Zucker und Wasser werden auf 121 °C gekocht und dann in dünnem Strahl in die schlagenden Eigelbe gegossen. Der heiße Sirup bringt die Masse weit über 70 Grad — das genügt, um die Eigelbe zu pasteurisieren. Gleichzeitig bindet die hohe Zuckerkonzentration das freie Wasser, und das Eigelb schlägt sich zu einem Schaum auf, der über Tage stabil bleibt. Weniger als 121 Grad ergibt eine flüssige Creme, mehr ergibt Karamell.

Warum der Espresso abkühlen muss

Auf 18 Grad, sagt das Rezept, und das ist keine Pedanterie. Heißer Kaffee wird vom Löffelbiskuit sofort aufgesogen — der Keks fällt schon beim Hineinlegen auseinander. Kalter Kaffee dringt langsamer ein, der Biskuit bleibt an der Oberfläche gesättigt und innen fest. Deshalb auch nur kurz eintauchen, eine Sekunde pro Seite.

Die drei Zutaten, auf die es ankommt

Mascarpone
Kein Frischkäse, sondern eingedickte Sahne mit über 40 Prozent Fett. Er wird durch Säure gestockt, nicht durch Lab — deshalb ist Tiramisù vegetarisch. Zimmerwarm untermischen, kalt aus dem Kühlschrank flockt er.
Pavesini oder Savoiardi
Pavesini sind dünner und saugen weniger, Savoiardi kräftiger und schwammiger. Beides ist richtig; mit Pavesini werden die Schichten feiner, mit Savoiardi wird das Dessert höher.
Kakaopulver
Stark entöltes, ungesüßtes Kakaopulver, erst kurz vor dem Servieren gesiebt. Zu früh aufgetragen zieht es Feuchtigkeit und wird fleckig.

Ohne Alkohol ist keine Sparfassung, sondern eine Entscheidung: So essen es Kinder mit. Wer will, gibt Marsala oder Amaretto in den Espresso.

Fragen zu Tiramisù

Kann ich Tiramisù ohne Thermometer machen?

Schlecht. Der Punkt bei 121 °C ist genau der, an dem der Sirup zur weichen Kugel wird — ohne Messgerät ist das Erfahrungssache. Wer keins hat, macht die klassische Fassung mit roher Ei-Zucker-Masse; sie schmeckt ähnlich, ist aber weniger stabil und nichts für Schwangere oder kleine Kinder.

Warum wird meine Creme flüssig?

Drei Gründe. Der Sirup war zu kühl, dann bindet er nicht. Die Mascarpone kam zu kalt dazu und ist geflockt. Oder die Sahne wurde untergerührt statt untergehoben — dabei fällt die Luft heraus, die die Creme trägt.

Wie lange muss Tiramisù kalt stehen?

Mindestens drei Stunden, besser über Nacht. In dieser Zeit zieht die Feuchtigkeit aus der Creme in den Biskuit und die Schichten verbinden sich. Frisch gemacht schmeckt es nach zwei getrennten Dingen.

Wie lange hält sich Tiramisù im Kühlschrank?

Zwei bis drei Tage, abgedeckt. Durch den pasteurisierten Sirup länger als die klassische Fassung mit rohem Ei, die man am selben Tag essen sollte. Einfrieren geht, verändert die Creme aber spürbar.

Ist Tiramisù vegetarisch?

Ja. Mascarpone wird mit Zitronensäure oder Weinsäure gestockt, nicht mit Lab. Damit ist das Dessert das seltene italienische Rezept mit Käse, bei dem der Haken guten Gewissens stehen kann.

Warum ist der Kakao am nächsten Tag fleckig?

Weil er Feuchtigkeit gezogen hat. Kakao gehört erst unmittelbar vor dem Servieren darauf, dann durch ein feines Sieb. Wer vorbestäubt, kann vor dem Servieren eine zweite dünne Schicht darüber geben.

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