Lettinis · Amore per Gusto Rezepte
Nuvole al Limone, weiche Zitronenkekse mit aufgerissener Puderzuckerkruste auf einem Gitter
Foto aus „Amore per Puglia“ · Stefania Lettini
Apulien · Dolce

Nuvole al Limone

In Rodi Garganico, über dem Meer, wachsen die Zitronen wie in alten Postkarten. Ich war dort, als Nonna Maria ihre Kekse buk.

vegetarisch
Apulien
Woher es kommt

Apulien — der Absatz des Stiefels, und unsere Heimat. Sechzig Millionen Olivenbäume stehen hier, mehr als in jeder anderen Region — die Coratina liefert ein Öl, das scharf im Hals kratzt. Dazu Hartweizen für Orecchiette, Cime di Rapa, Burrata aus Andria und die Focaccia von Bari. Fleisch spielt kaum eine Rolle; die apulische Küche ist von Haus aus fast vegetarisch.

Das Kochbuch „Amore per Puglia“ von Stefania Lettini Alle Rezepte im Buch Amore per Puglia — Apuliens Küche genießen und entdecken Dieses Rezept steht auf Seite 168. Buch ansehen →

Nuvole al Limone — wie in Apulien

25 Personen

Zutaten

  • 100 g weiche Butter
  • 100 g Zucker + 30 g zum Wälzen
  • 2 Eier (Größe M), leicht verquirlt
  • Abrieb und Saft von 1 Bio-Zitrone
  • 300 g Mehl Typ 405
  • 1 Päckchen Backpulver (15 g)
  • 30 g Puderzucker

Die verlinkten Zutaten führen wir im Laden.

Kochutensilien

  • Schüssel
  • Handrührgerät
  • Zitronenreibe
  • Zwei flache Teller zum Wälzen
  • Backblech mit Backpapier

Zeit

Zubereitung
ca. 30 Min.
Ruhezeit
1 Std.

Zubereitung

  1. Butter und Zucker in einer Schüssel schaumig schlagen. Die Eier dazu geben, dann den Zitronenabrieb und den Zitronensaft hinzufügen. Im Anschluss das Mehl und das Backpulver unterheben, bis ein glatter Teig entsteht. Der Teig bleibt relativ weich und sorgt nachher für die luftige Textur.
  2. Den Teig zu einer Kugel formen und in Frischhaltefolie oder einem Bienenwachstuch eingewickelt eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Den Ofen auf 180 °C (Umluft) vorheizen.
  3. Zwei Teller vorbereiten, einen mit Zucker und einen mit Puder zucker. Aus dem gekühlten Teig mit leicht feuchten Händen walnussgroße Kugeln formen. Die Kugeln zuerst im Zucker und anschließend im Puderzucker wälzen, bis sie vollständig bedeckt sind.
  4. Die Kugeln mit genügend Abstand auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech platzieren, notfalls auf zwei Blechen verteilen. Im vorgeheizten Ofen ca. 12 Minuten backen, bis die Oberfläche goldgelb ist und Risse zeigt.
  5. Die Kekse aus dem Ofen nehmen und auskühlen lassen. Nach Belieben mit zusätzlichem Puderzucker bestäuben.
Stefania Lettini, Inhaberin von Lettinis
Stefanias Tipp

Diese Kekse lassen sich wunderbar vorbereiten – sie schmecken auch am nächsten Tag herrlich zart und zitronig.

Nuvole al Limone — die Zutaten und das fertige Gericht, fotografiert für „Amore per Puglia“
Aus unserer Rezeptreihe zu „Amore per Puglia“.
Warenkunde

Warum die Kekse aufreißen

Die typische Optik dieser Kekse — weiße Oberfläche mit dunklen Rissen — ist kein Zufall und keine Handarbeit. Sie entsteht im Ofen, und man kann sie erklären.

Der doppelte Mantel

Die Teigkugeln werden zuerst in Kristallzucker und dann in Puderzucker gewälzt. Der Kristallzucker zieht Feuchtigkeit von der Teigoberfläche an sich und bildet eine Trennschicht; der Puderzucker darüber bleibt deshalb trocken und weiß, statt sich aufzulösen. Wer den ersten Schritt weglässt, bekommt Kekse, auf denen der Puderzucker verschwunden ist.

Und dann das Backpulver

Im Ofen zersetzt sich Natriumhydrogencarbonat und setzt Kohlendioxid frei. Der Teig dehnt sich aus. Die Puderzuckerschicht macht das nicht mit — sie ist starr und reißt. Darunter kommt der dunklere Teig zum Vorschein, und fertig ist das Muster. Im Englischen heißen solche Kekse deshalb crinkle cookies.

Ein ganzes Päckchen Backpulver auf 300 Gramm Mehl ist viel. Genau das ist gewollt: viel Trieb, starke Ausdehnung, deutliche Risse.

Warum die Ruhezeit im Kalten

Eine Stunde. Kalter Teig lässt sich zu Kugeln rollen, ohne an den Händen zu kleben, und die Butter ist fest, wenn die Kugeln in den Ofen kommen. Ein warmer Teig würde breit laufen, bevor der Trieb einsetzt — dann gibt es flache Plätzchen statt Wölkchen.

Schale und Saft

Beides steht im Rezept, und beides tut etwas anderes. In der Schale sitzt das Limonen, das ätherische Öl, das den Duft trägt; es ist fettlöslich und wird von der Butter aufgenommen. Der Saft bringt Zitronensäure — die reagiert mit dem Backpulver und verstärkt den Trieb zusätzlich. Nur Abrieb wäre duftig ohne Frische, nur Saft wäre sauer ohne Aroma.

Rodi Garganico

Der Ort liegt am Gargano, dem Sporn des italienischen Stiefels, und ist seit Jahrhunderten für seine Zitrusgärten bekannt. Die Arancia del Gargano und der Limone Femminello del Gargano tragen beide das IGP-Siegel. Zitronen wachsen hier in Terrassengärten direkt über dem Meer — dass ein Zitronenkeks von dort kommt, ist naheliegend.

Die drei Zutaten, auf die es ankommt

Bio-Zitrone
Abrieb und Saft. Unbehandelt, weil die Schale mitgeht.
Backpulver
Ein ganzes Päckchen. Es macht die Risse; mit weniger bleiben die Kekse glatt.
Zucker und Puderzucker zum Wälzen
Zwei Teller, zwei Schritte, in dieser Reihenfolge. Der Kristallzucker ist die Trennschicht.

In Rodi Garganico, über dem Meer, wachsen die Zitronen wie in alten Postkarten.

Fragen zu Nuvole al Limone

Warum reißen die Kekse beim Backen auf?

Weil das Backpulver den Teig ausdehnt, die starre Puderzuckerschicht darüber aber nicht mitgeht. Sie bricht auf und gibt den dunkleren Teig frei — das typische Muster von Crinkle Cookies.

Warum erst in Zucker und dann in Puderzucker wälzen?

Der Kristallzucker bildet eine Trennschicht und nimmt die Feuchtigkeit auf. Nur so bleibt der Puderzucker darüber weiß; sonst löst er sich im Ofen auf.

Muss der Teig wirklich eine Stunde kühlen?

Ja. Kalter Teig lässt sich rollen, ohne zu kleben, und läuft im Ofen nicht breit. Warm gebacken werden aus den Wölkchen flache Plätzchen.

Brauche ich Abrieb und Saft?

Beides. Der Abrieb bringt das ätherische Öl und damit den Duft, der Saft die Säure — sie verstärkt zusätzlich den Trieb des Backpulvers.

Wie lange halten sich die Nuvole?

Zwei bis drei Tage in einer Dose, dann werden sie fester. Stefania schreibt selbst, dass sie am nächsten Tag noch herrlich zart sind.

Kann ich den Teig einfrieren?

Ja, als fertig gerollte Kugeln, ungewälzt. Vor dem Backen auftauen lassen, dann in Zucker und Puderzucker wälzen — vorher gewälzt löst sich der Puderzucker beim Auftauen auf.

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