Lettinis · Amore per Gusto Rezepte
Frische Tagliatelle mit Ragù alla Bolognese, mit Parmigiano Reggiano bestreut
Foto aus „Amore per Gusto“ · Stefania Lettini
Emilia-Romagna · Pasta

Ragù alla Bolognese mit frischen Tagliatelle

Butter statt Öl, Pancetta, Rotwein und am Ende Milch. Das Ragù köchelt mindestens drei Stunden — dazu frische Tagliatelle aus fünf Eiern.

Emilia-Romagna
Woher es kommt

Emilia-Romagna — die Speisekammer Italiens. Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma, Aceto Balsamico Tradizionale und Mortadella stammen alle aus wenigen Kilometern Umkreis. Hier wird Pasta mit Ei gemacht und von Hand ausgerollt: Tagliatelle, Tortellini, Passatelli. Butter und Schmalz statt Olivenöl.

Das Kochbuch „Amore per Gusto“ von Stefania Lettini Alle Rezepte im Buch Amore per Gusto — Meine italienische Küche Dieses Rezept steht auf Seite 85. Gourmand World Cookbook Award „Best in the World“ · Valentinas Best of Cookbooks Buch ansehen →

Ragù alla Bolognese mit frischen Tagliatelle — wie in der Emilia-Romagna

4 Personen

Zutaten

  • 500 g Mehl Typ 00
  • 5 Eier (Größe L)
  • 30 g Butter
  • 150 g Pancetta, gewürfelt
  • 50 g weiße Zwiebel
  • 50 g Staudensellerie
  • 80 g Karotten
  • 150 g Rinderhackfleisch
  • 150 g Schweinehackfleisch
  • 125 ml Rotwein
  • 550 g geschälte Tomaten (Pelati)
  • 250 ml Vollmilch
  • Salz, Pfeffer, Parmigiano Reggiano DOP

Die verlinkten Zutaten führen wir im Laden.

Kochutensilien

  • Schwerer Topf mit dickem Boden
  • Nudelmaschine
  • Scharfes Messer für feine Würfel

Zeit

Köcheln
3 Stunden
Ruhezeit
5 Minuten

Zubereitung

  1. Mehl und Eier zu einer glatten Teigkugel verkneten, einwickeln und mindestens 5 Minuten ruhen lassen.
  2. Den Teig vierteln, auf ca. 0,4 mm ausrollen und durch die Tagliatelle-Walze ziehen. Bemehlt beiseitelegen.
  3. Die Butter mit dem Pancetta schmelzen, Zwiebel-, Sellerie- und Karottenwürfel zugeben und glasig dünsten.
  4. Das Hackfleisch zugeben, weiterbraten und mit dem Rotwein ablöschen.
  5. Die geschälten Tomaten zugeben und ca. 2 Stunden auf kleinster Stufe köcheln lassen. Dann die Milch zugeben und 1–2 Stunden weiter einkochen.
  6. Die Tagliatelle 3–4 Minuten al dente kochen, mit etwas Ragù und Pastawasser schwenken und mit frischem Parmesan servieren.
Stefania Lettini, Inhaberin von Lettinis
Stefanias Tipp

Insgesamt mindestens drei Stunden — dafür schmeckt es am nächsten Tag noch besser.

Warenkunde

Woher das Ragù alla Bolognese kommt

Es gibt für dieses Gericht eine amtliche Fassung. 1982 hinterlegte die Accademia Italiana della Cucina bei der Handelskammer Bologna ein Rezept für das ragù classico bolognese; 2023 wurde es überarbeitet. Es nennt Rindfleisch, Pancetta, Zwiebel, Karotte, Sellerie, Tomatenmark, Wein, Milch und Brühe. Keinen Knoblauch, keine Kräuter, kein Olivenöl.

Warum am Ende Milch dazukommt

Das ist der Schritt, den fast alle auslassen — und der den Unterschied macht. Milch bringt Fett, Milchzucker und Kalzium. Das Fett umhüllt die Fleischfasern und lässt sie zarter wirken; der Milchzucker mildert die Säure der Tomaten und bräunt über die lange Kochzeit leicht mit, was Tiefe bringt. Deshalb steht sie am Ende und nicht am Anfang: Sie soll langsam einkochen, nicht mitkochen.

Warum drei Stunden und nicht dreißig Minuten

Das Bindegewebe im Hackfleisch besteht aus Kollagen. Es löst sich erst über Stunden bei niedriger Temperatur in Gelatine auf — und diese Gelatine ist es, die dem Ragù seine samtige Konsistenz gibt. Bei kurzer, starker Hitze zieht sich das Kollagen dagegen zusammen und presst den Fleischsaft heraus. Ein schnelles Ragù ist deshalb nicht ein weniger gutes; es ist ein anderes Gericht.

Warum Tagliatelle und nicht Spaghetti

Weil das Ragù dick ist und Fläche braucht, an der es haftet. Eine runde, glatte Spaghetti bietet sie nicht — die Sauce sammelt sich am Tellerboden. In Bologna ist die Breite sogar festgelegt: acht Millimeter im gekochten Zustand, hinterlegt 1972 als Goldstab bei der Handelskammer. Spaghetti Bolognese sind außerhalb Italiens entstanden.

Die drei Zutaten, auf die es ankommt

Pancetta
Der Bauchspeck bringt Fett, in dem das Gemüse zieht, und Salz. Guanciale wäre kräftiger, Pancetta ist die hinterlegte Wahl.
Zwei Sorten Hackfleisch
Rind für den Geschmack, Schwein für das Fett. Nur Rind ergibt ein trockenes Ragù, nur Schwein ein flaches.
Pelati
Geschälte Tomaten aus der Dose, nicht Passata. Sie kochen über Stunden ein und geben ihre Süße langsam ab; Passata ist bereits konzentriert und wird bitter.

Am nächsten Tag schmeckt es besser. Das ist keine Höflichkeitsformel: Über Nacht verteilen sich Fett und Aromastoffe gleichmäßig in der Sauce.

Fragen zu Ragù alla Bolognese mit frischen Tagliatelle

Kommt wirklich Milch ins Ragù?

Ja, sie steht im hinterlegten Rezept der Handelskammer Bologna. Sie mildert die Säure der Tomaten und macht das Fleisch zarter. Zugegeben wird sie zum Schluss, wenn der Wein verkocht ist, und dann langsam eingekocht.

Warum keine Spaghetti?

Weil das Ragù dick ist und eine Oberfläche braucht, an der es haftet. Frische Tagliatelle sind porös und breit — die Sauce bleibt daran. Spaghetti Bolognese sind eine Erfindung außerhalb Italiens; in Bologna bekommt man sie nicht.

Kann man das Ragù kürzer kochen?

Man kann, aber es wird ein anderes Gericht. Die samtige Bindung entsteht daraus, dass Kollagen über Stunden zu Gelatine zerfällt. Unter zwei Stunden bleibt das Fleisch körnig. Wenn die Zeit fehlt, lieber am Vortag kochen.

Gehört Knoblauch ins Ragù?

Nicht in die klassische bolognesische Fassung. Das hinterlegte Rezept nennt nur Zwiebel, Karotte und Sellerie — den soffritto. Knoblauch, Oregano und Lorbeer sind süditalienische oder ausländische Zusätze.

Kann man Ragù einfrieren?

Sehr gut. In Portionen einfrieren und langsam im Topf auftauen, nicht in der Mikrowelle — dabei trennt sich das Fett. Es hält drei Monate ohne Qualitätsverlust und ist damit ein guter Grund, die doppelte Menge zu kochen.

Wie dünn müssen die Tagliatelle ausgerollt werden?

Etwa 0,4 mm, in Bologna gilt das Blatt als richtig, wenn man die Hand darunter durchschimmern sieht. Die Nudel soll rau bleiben — deshalb nach dem Schneiden nur leicht bemehlen und nicht glattziehen.

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